Geschrieben von Carolin Kaulfersch am 28. Oktober 2026

Einfache und Leichte Sprache auf Knopfdruck: Kann KI das?

Zugänglichkeit
KI kann komplexe Texte in Sekundenschnelle vereinfachen. Aber heißt das, dass verständliche Texte jetzt einfach auf Knopfdruck entstehen? Wir zeigen, was KI gut kann, wo Menschen unverzichtbar bleiben – und warum gerade Einfache Sprache eine menschliche Prüfung braucht.

Warum verständliche Texte wichtig sind

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit komplizierten Texten: Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Beeinträchtigungen, Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche oder geringer Lesekompetenz, Menschen, die Deutsch lernen, und viele ältere Menschen. Allein in Deutschland zählte die LEO-Studie der Universität Hamburg 2018 rund 6,2 Millionen gering literalisierte Erwachsene.

Für sie alle kann ein Behördenbrief, eine Produktbeschreibung oder ein Formular voller Fachjargon und Juristendeutsch zur Barriere werden. Verständliche Texte sind deshalb ein wichtiger Teil der digitalen Barrierefreiheit und ein Beitrag zur Inklusion: Sie ermöglichen Teilhabe an der Gesellschaft. Und sie verbessern die Kommunikation mit allen Nutzenden, Kundinnen und Kunden. Klare Webseiten bieten außerdem ein besseres Nutzungserlebnis und sind für Suchmaschinen leichter zu verstehen.

Einfache und Leichte Sprache: der Unterschied in Kürze

Es gibt zwei Stufen verständlicher Sprache:

  • Einfache Sprache macht Texte für ein breites Publikum verständlich: kurze Sätze, gebräuchliche Wörter, eine klare Struktur. Die internationale Norm ISO 24495-1 beschreibt Grundsätze und Leitlinien dafür. In Deutschland gilt sie als DIN ISO 24495-1:2024-03, ergänzt durch die DIN 8581-1 vom Mai 2024 mit Regeln speziell für Texte in Einfacher Sprache auf Deutsch.

  • Leichte Sprache geht weiter. Sie richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten und folgt festen Regeln: sehr kurze Sätze, eine Aussage pro Satz, Erklärungen für schwierige Wörter und unterstützende Bilder. Die Regeln des Netzwerks Leichte Sprache und die DIN SPEC 33429 vom März 2025 beschreiben, wie Texte in Leichter Sprache entstehen. Dazu gehört, dass eine Prüfgruppe aus Menschen mit Lernschwierigkeiten jeden Text testet. Auf europäischer Ebene hat Inclusion Europe Standards für leicht lesbare Informationen entwickelt.

Einen ausführlichen Vergleich findest du in unserem Artikel zu Einfacher und Leichter Sprache.

Was macht einen Text verständlich?

Leitlinien für verständliche Sprache folgen weltweit denselben Grundsätzen. Ob ein Mensch oder eine KI den Text schreibt, diese Kriterien gelten immer:

  • Das Wichtigste zuerst: Beginne mit dem, was Lesende wissen müssen, und ergänze danach die Details.

  • Kurze Sätze und aktive Formulierungen: wenige Nebensätze, keine verschachtelten Satzgefüge. „Wir schicken dir die Rechnung“ ist klarer als „Die Rechnung wird dir zugeschickt“.

  • Verben statt Nominalstil: „Wir prüfen deinen Antrag“ statt „Die Prüfung deines Antrags erfolgt“.

  • Keine unnötigen Fremdwörter und Fachausdrücke: Verwende Alltagswörter und erkläre Fachbegriffe, wenn du sie brauchst.

  • Abkürzungen erklären: Schreib sie beim ersten Mal aus oder verzichte ganz darauf.

  • Einheitliche Begriffe: Nenne dieselbe Sache im ganzen Text immer gleich.

  • Klare Textstruktur: Aussagekräftige Überschriften, kurze Absätze statt langer Fließtext, Aufzählungen und genügend Weißraum helfen bei der Orientierung.

  • Gut lesbare Schrift: eine ausreichend große Schrift, gute Kontraste und sparsam eingesetzte Satzzeichen.

  • Abbildungen und Grafiken: Sie können Inhalte veranschaulichen, gerade in Leichter Sprache.

  • Eindeutige Formate: Schreib Datum und Uhrzeit eindeutig, zum Beispiel „23.10.2026, 14:00 Uhr“.

Eine klare Struktur hilft auch Menschen mit Sehbehinderung, die assistive Technologien wie Screenreader nutzen: Sie können von Überschrift zu Überschrift springen und Informationen schneller finden.

Wie sich Verständlichkeit messen lässt

Ein bekanntes Modell aus dem deutschsprachigen Raum ist das Hamburger Verständlichkeitskonzept. Es nennt vier Merkmale verständlicher Texte: Einfachheit, Gliederung und Ordnung, Kürze und Prägnanz sowie anregende Zusätze wie Beispiele.

Lesbarkeitsformeln wie der Flesch-Index in der deutschen Anpassung nach Amstad oder die Wiener Sachtextformel berechnen anhand von Satz- und Wortlänge, wie schwierig ein Text ist. Sie eignen sich für einen schnellen Check, messen aber nicht, ob Menschen einen Text wirklich verstehen. Das zeigt nur ein Verständlichkeitstest mit echten Lesenden.

Verständliche Sprache weltweit

Verständliche Sprache ist längst ein internationales Thema:

  • ISO-Norm: Die Internationale Organisation für Normung hat 2023 die ISO 24495-1 für Einfache Sprache veröffentlicht. Fachleute aus vielen Ländern haben daran mitgearbeitet, unter anderem die International Plain Language Federation.

  • Deutschland: Neben den DIN-Normen für Einfache Sprache gibt es die DIN SPEC 33429 und das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verpflichtet Bundesbehörden, verständlich und auf Wunsch in Leichter Sprache zu kommunizieren. Die BITV 2.0 verlangt zusätzlich zentrale Informationen auf ihren Websites in Leichter Sprache. Für Verwaltungstexte gibt es zudem seit Langem Leitfäden für bürgernahe Sprache. Und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verlangt, dass viele Unternehmen Informationen zu ihren Produkten und Dienstleistungen verständlich bereitstellen.

  • Europäische Union: Der Übersetzungsdienst der Europäischen Kommission gibt Leitlinien für klares Schreiben in EU-Texten heraus.

  • USA: Der Plain Writing Act von 2010 verpflichtet Bundesbehörden zu verständlicher Sprache.

  • WCAG: In den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) empfiehlt das Erfolgskriterium 3.1.5 (Leseniveau), einfachere Inhalte anzubieten, wenn ein Text fortgeschrittene Lesefähigkeiten erfordert.

Im Content Design und im nutzerzentrierten Design ist verständliche Sprache heute Standard: Texte werden für die Nutzenden geschrieben, nicht für die Organisation.

Was KI kann

KI-basierte Tools vereinfachen Texte inzwischen sehr gut. Sie können:

  • Schnell vereinfachen: lange Sätze kürzen, Fachjargon ersetzen, aktiv formulieren und Zwischenüberschriften ergänzen – in Sekunden statt Stunden.

  • Große Mengen bewältigen: Websites mit Hunderten Seiten, Blogartikel, Produktbeschreibungen, PDF-Dokumente oder Wissensdatenbanken lassen sich kaum von Hand umschreiben. KI macht das möglich.

  • Aktuell bleiben: Ändern sich Inhalte, kann KI die neue Fassung automatisch vereinfachen.

  • Einheitlich arbeiten: KI-Tools wenden bei jedem Text dieselben Grundsätze an. Das sorgt für eine einheitliche Sprache auf der ganzen Website.

  • Einen ersten Entwurf liefern: Auch wenn ein Text sorgfältig überarbeitet werden muss, spart ein KI-Entwurf viel Zeit.

Für Einfache Sprache ist KI damit ein sehr nützliches Werkzeug – gerade für Websites, die viele Inhalte verständlich machen wollen. Allgemeine Chatbots und Übersetzungstools können Texte zwar ebenfalls vereinfachen, kennen aber oft weder die Regeln der Einfachen Sprache noch die Begriffe deiner Organisation.

Wo es weiterhin Menschen braucht

Gleichzeitig weiß KI nicht alles, was ein guter Text braucht. An mehreren Stellen bleiben Menschen unverzichtbar:

  • Kontext und Zielgruppe: KI weiß nicht, wer einen Text genau liest und was diese Menschen schon wissen. Ein Text für Patientinnen und Patienten braucht andere Erklärungen als einer für Fachleute.

  • Richtigkeit: Bei Juristendeutsch, medizinischen oder finanziellen Texten darf die Vereinfachung den Inhalt nicht verändern. Eine fachkundige Person sollte prüfen, ob die vereinfachte Fassung noch stimmt.

  • Tonalität und Marke: Jede Organisation hat ihre eigene Sprache und ihre eigenen Begriffe. Diese müssen festgelegt und geprüft werden.

  • Leichte Sprache: Bei Leichter Sprache gehört die Prüfung durch eine Prüfgruppe aus der Zielgruppe fest dazu. Das Netzwerk Leichte Sprache sagt: Nur Menschen mit Lernschwierigkeiten können sagen, ob ein Text leicht genug ist. Diese Prüfung kann KI nicht ersetzen.

  • Bilder und Gestaltung: Leichte Sprache arbeitet mit unterstützenden Bildern und einem klaren Layout. Die Auswahl braucht menschliches Urteilsvermögen.

  • Verantwortung: Am Ende ist ein Mensch für das verantwortlich, was veröffentlicht wird – nicht die KI.

Deshalb funktioniert verständliche Sprache nicht allein „auf Knopfdruck“. Am besten funktioniert sie, wenn KI und Menschen zusammenarbeiten.

Ein guter Ablauf: KI und Mensch gemeinsam

Ein Ablauf, der die Stärken von beiden verbindet, kann so aussehen:

  1. Zielgruppe und Sprachstufe festlegen: Soll der Text in Einfacher Sprache für ein breites Publikum entstehen oder in Leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten?

  2. Entwurf mit KI erstellen: Die KI vereinfacht den Ausgangstext und liefert eine erste Fassung.

  3. Prüfen und überarbeiten: Eine Redakteurin oder ein Redakteur prüft den Entwurf auf Richtigkeit, Begriffe und Tonalität und passt ihn bei Bedarf an.

  4. Mit der Zielgruppe testen: Bei Leichter Sprache prüft eine Prüfgruppe aus Menschen mit Lernschwierigkeiten, ob der Text wirklich verständlich ist. Bei wichtigen Texten in Einfacher Sprache helfen Usability-Tests mit echten Lesenden.

  5. Veröffentlichen und pflegen: Ändert sich der Ausgangstext, wird die vereinfachte Fassung aktualisiert und erneut geprüft.

So unterstützt Eye-Able Einfache Sprache diesen Ablauf

Eye-Able Einfache Sprache ist genau für diesen Ablauf gemacht. Besuchende deiner Website können mit einem Klick zu einer vereinfachten Fassung wechseln. Die Texte entstehen automatisch, und wenn sich Inhalte ändern, werden nur die geänderten Abschnitte neu verarbeitet. Über das Dashboard lassen sich außerdem Dokumente und einzelne Texte vereinfachen.

Gleichzeitig behältst du die Kontrolle: In einem integrierten Editor kannst du die vereinfachten Texte prüfen und anpassen, bevor sie online gehen, und das Modul lässt sich zuerst auf einer Testseite ausprobieren. So übernimmt die KI die zeitaufwendige Vorarbeit, und Menschen sorgen dafür, dass das Ergebnis passt.

Fazit

KI hat Einfache Sprache deutlich schneller und skalierbarer gemacht. Sie ist ein hervorragendes Werkzeug, um viele Inhalte verständlich zu machen. Gute, verständliche Texte brauchen aber weiterhin Menschen: um die Richtigkeit zu prüfen, den passenden Ton festzulegen und bei Leichter Sprache mit der Zielgruppe zu testen. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn KI und Menschen zusammenarbeiten.

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Weiterleitung zum kostenlosen Website Test

FAQ: Einfache Sprache und KI

Kann KI Texte in Einfache Sprache übersetzen?

Ja. KI kann Texte sehr gut und schnell vereinfachen, zum Beispiel indem sie Sätze kürzt und Fachbegriffe ersetzt. Bei wichtigen Texten sollte trotzdem ein Mensch das Ergebnis auf Richtigkeit und Tonalität prüfen.

Kann KI Leichte Sprache schreiben?

KI kann einen ersten Entwurf in Leichter Sprache erstellen. Zur Leichten Sprache gehört aber auch die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Nur sie können beurteilen, ob ein Text leicht genug ist. Diese Prüfung kann KI nicht ersetzen.

Wie erkenne ich, ob ein Text verständlich ist?

Lesbarkeitsformeln wie der Flesch-Index oder die Wiener Sachtextformel geben einen ersten Hinweis. Sie messen Satz- und Wortlänge, aber nicht, ob Menschen den Text wirklich verstehen. Am zuverlässigsten ist ein Verständlichkeitstest mit Lesenden aus deiner Zielgruppe.

Was ist der Unterschied zwischen Einfacher und Leichter Sprache?

Einfache Sprache macht Texte für ein breites Publikum verständlich. Leichte Sprache folgt strengeren Regeln und richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten, zum Beispiel mit sehr kurzen Sätzen, Erklärungen schwieriger Wörter und unterstützenden Bildern.

Müssen Websites Inhalte in Leichter Sprache anbieten?

Öffentliche Stellen des Bundes müssen nach der BITV 2.0 auf ihrer Website Informationen in Leichter Sprache bereitstellen, etwa zu Inhalten und Navigation der Website. Für private Unternehmen gibt es keine allgemeine Pflicht zur Leichten Sprache. Verständliche Texte helfen aber, Inhalte für alle zugänglich zu machen.

Wie funktioniert Eye-Able Einfache Sprache?

Eye-Able Einfache Sprache wird mit einer Codezeile in die Website eingebunden. Besuchende können mit einem Klick zu einer vereinfachten Fassung wechseln. In einem integrierten Editor lassen sich die vereinfachten Texte prüfen und anpassen, bevor sie online gehen.

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