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Das Fashion Nova-Urteil: 5,15 Millionen USD als Folge fehlender Barrierefreiheit
Geschichte lesenProduktdaten umfassen alles, was ein Produkt beschreibt: Titel, Beschreibungstexte, technische Attribute, Maße, Materialien, Bilder, Videos und Dokumente wie Datenblätter oder Bedienungsanleitungen. Barrierefrei sind diese Daten dann, wenn sie für alle Menschen und auch für assistive Technologien wie Screenreader zugänglich und verständlich sind.
Konkret heißt das: Informationen stehen als echter, strukturierter Text zur Verfügung und nicht versteckt in einer Grafik. Bilder haben aussagekräftige Alternativtexte. Attribute sind sauber benannt und konsistent gepflegt. Und Inhalte sind in klarer Sprache formuliert, sodass sie ohne Vorwissen verständlich sind. Barrierefreiheit beginnt also nicht erst beim Design der Seite, sondern viel früher: bei der Qualität und Struktur der Daten selbst.
Die meisten Hürden im Shop lassen sich auf eine Ursache zurückführen: die Produktdaten selbst. Wo Informationen fehlen, unstrukturiert vorliegen oder nur in Bildern stecken, entsteht eine Barriere – oft, ohne dass es jemandem auffällt. Typische Datenmängel sind:
Wichtige Angaben stecken ausschließlich in einem Produktbild, etwa Größen, Inhaltsstoffe oder technische Werte, statt als Text im Datensatz.
Bilder haben keinen oder einen nichtssagenden Alternativtext wie „image_12345.jpg“.
Eigenschaften werden allein über die Farbe transportiert („das rote Modell“), ohne sie als eigenes Attribut zu benennen.
Datenblätter und Anleitungen liegen als nicht barrierefreie PDFs vor, die sich nicht durchsuchen lassen.
Attribute sind uneinheitlich gepflegt, sodass Filter und Vergleiche nicht zuverlässig funktionieren.
Ein Beispiel macht das greifbar. Bei einer Waschmaschine stehen Energieeffizienz, Fassungsvermögen, sowie Maße häufig nur in einer Produktgrafik und im Datensatz selbst fehlen sie.
Die Folge: Diese Werte lassen sich technisch weder auslesen noch filtern oder vergleichen. Liegen dieselben Angaben dagegen als saubere Attribute vor, Fassungsvermögen: 8 kg, Energieeffizienz: A, Höhe: 85 cm, sind sie maschinenlesbar, der Filter „bis 8 kg“ findet das Produkt zuverlässig und die Vergleichsfunktion sortiert es korrekt ein. Dieselbe Information einmal als toter Pixel, einmal als nutzbares Datum.
Das Tückische daran: Diese Barrieren entstehen selten mit Absicht. Sie sind oft das Ergebnis gewachsener Datenstrukturen, in denen niemand die Zugänglichkeit von Anfang an mitgedacht hat.
Der vielleicht wichtigste Punkt: Barrierefreiheit hilft nicht nur einer kleinen Gruppe. Sie verbessert das Erlebnis für alle – ein Effekt, den man auch vom abgesenkten Bordstein kennt. Eigentlich für Rollstuhlfahrende gedacht, nützt er genauso dem Elternteil mit Kinderwagen oder der reisenden Person mit Trolley.
Saubere, strukturierte Produktdaten zahlen direkt auf die User Experience ein:
Klar benannte Attribute sorgen für verlässliche Filter und Vergleichsfunktionen.
Gut strukturierte Texte lassen sich auf jedem Gerät und in jeder Schriftgröße angenehm lesen, auch auf dem Smartphone.
Verständliche Sprache senkt die Einstiegshürde und reduziert Rückfragen und Retouren.
Aussagekräftige Alternativtexte helfen, wenn ein Bild einmal nicht lädt, sie verbessern die Orientierung für alle.
Wer seine Produktdaten zugänglich macht, baut also keine Sonderlösung für wenige. Er schafft ein Einkaufserlebnis, das für mehr Menschen funktioniert und das zeigt sich an Verweildauer, Zufriedenheit und Conversion.
Damit Produktdaten überhaupt barrierefrei ausgespielt werden können, müssen sie zuerst strukturiert vorliegen. Genau hier liegt der Schlüssel. Wenn Informationen kleinteilig und sauber erfasst sind – also jede Eigenschaft als eigenes, klar definiertes Attribut –, lassen sie sich für jeden Kanal passend aufbereiten: für den Shop, die App, den Marktplatz oder eben für einen Screenreader.
In der Praxis übernimmt diese Aufgabe ein Product-Information-Management-System (PIM). Es bildet die zentrale Quelle für alle Produktinformationen und sorgt dafür, dass Daten konsistent, vollständig und maschinenlesbar sind. Pflegst Du etwa den Alternativtext eines Produktbilds oder eine technische Eigenschaft einmal zentral, steht sie automatisch überall richtig zur Verfügung – im Shop, in der App und auf dem Marktplatz. Aus dieser einen verlässlichen Grundlage entstehen dann saubere Produktseiten – inklusive der semantischen Struktur, die assistive Technologien benötigen. Strukturierte Inhalte sind damit nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern die Voraussetzung für digitale Erlebnisse, die wirklich allen offenstehen.
Ein schöner Nebeneffekt: Vieles, was Produktdaten barrierefrei macht, hilft auch Suchmaschinen. Strukturierte, semantisch ausgezeichnete Inhalte werden von Crawlern besser verstanden, aussagekräftige Alternativtexte verbessern die Auffindbarkeit von Bildern, und klar formulierte Texte erhöhen die Relevanz. Was ein Screenreader gut vorlesen kann, können auch Suchmaschinen und KI-gestützte Assistenten gut auswerten.
Barrierefreiheit, SEO und Conversion ziehen also an einem Strang. Statt drei getrennte Baustellen zu pflegen, lohnt es sich, Produktdaten einmal richtig aufzusetzen und von allen drei Effekten gleichzeitig zu profitieren.
Mit Gesetzen wie dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und dem European Accessibility Act (EAA) ist digitale Barrierefreiheit für viele Online-Shops zur rechtlichen Anforderung geworden. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) geben dabei den technischen Rahmen vor. Doch wer Barrierefreiheit nur als Pflicht begreift, verschenkt Potenzial. Denn barrierefreie Produktdaten zahlen auf das Wichtigste überhaupt ein: ein Produkt, das jeder verstehen und kaufen kann. Und das ist am Ende ein handfester Wettbewerbsvorteil.
Der Einstieg ist leichter, als viele denken. Ein paar Schritte, die sich bewährt haben:
Bestandsaufnahme: Schau Dir an, wo Informationen heute nur in Bildern, PDFs oder unstrukturiert vorliegen.
Alternativtexte ergänzen: Beschreibe Bilder so, dass sie ihren Inhalt und Zweck vermitteln.
Attribute strukturieren: Pflege Eigenschaften einheitlich und kleinteilig – idealerweise zentral im PIM.
Klare Sprache nutzen: Formuliere Beschreibungen verständlich und ohne unnötiges Fachchinesisch.
Dokumente zugänglich machen: Sorge dafür, dass Datenblätter und Anleitungen barrierefrei sind.
Testen: Prüfe Deine Seiten mit den passenden Werkzeugen – und am besten mit echten Nutzenden.
Wichtig ist, Barrierefreiheit nicht als einmaliges Projekt, sondern als festen Bestandteil der Datenpflege zu verstehen. Dann wird sie zur Selbstverständlichkeit statt zur Sonderaufgabe.
Barrierefreie Produktdaten sind weit mehr als eine technische Detailfrage. Sie entscheiden darüber, ob ein Online-Shop für alle Menschen funktioniert, unabhängig davon, wie sie auf Inhalte zugreifen. Wer seine Produktdaten strukturiert, vollständig und verständlich pflegt, verbessert nicht nur die Zugänglichkeit, sondern die gesamte User Experience. Ein gutes Daten-Fundament ist dabei die beste Investition: Es macht Inhalte zugänglich, suchmaschinenfreundlich und verkaufsstark und das alles auf einmal.
Dieser Gastartikel wurde von Luisa Reichenbacher, Marketing Managerin bei EIKONA Media GmbH geschrieben.
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