Geschrieben von Accessibility Team am 24. Juni 2026

Ein Jahr BFSG – Ein Meilenstein mit Realitätscheck

Accessibility
Der 28. Juni 2025 war ein Datum, das in vielen Unternehmen das Umdenken angestoßen sollte. Mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes sollte sich etwas Grundlegendes ändern: gleichberechtigte digitale Teilhabe nicht mehr als Ausnahme, sondern als Standard. Ein Jahr später lohnt sich ein ehrlicher Blick.


Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Ein Jahr im Fokus der Chefetagen 

Eines lässt sich klar sagen: Das BFSG hat aus dem reinen Entwicklerthema Barrierefreiheit ein Thema gemacht, das nun auch in den Führungsebenen präsent ist und in vielen Unternehmen zu einem spürbaren Umdenken geführt hat. Das Interesse ist messbar gestiegen, Budgets wurden bereitgestellt, und die Nachfrage nach Audits, Schulungen sowie Accessibility-Tests hat massiv zugenommen. Begriffe wie WCAG, EN 301 549 und BITV gehören mittlerweile zum festen Vokabular digitaler Produktteams.  

Das Versprechen dahinter war und ist groß: gleichberechtigte Teilhabe am digitalen Leben. Websites, Apps, Online-Shops, Bankportale, E-Books, Ticketautomaten und Bestellterminals: all das soll barrierefrei zugänglich sein.  

Die Betroffenensicht: Ernüchterung statt digitaler Barrierefreiheit 

Schaut man sich nach einem Jahr die erste Bilanz aus Sicht der Betroffenen an, weicht der anfängliche Optimismus jedoch einer gewissen Ernüchterung: Nur wenige Menschen mit Einschränkungen berichten bisher von echten Verbesserungen im Alltag.

Viele Unternehmen haben das Thema bis kurz vor dem Stichtag aufgeschoben mit dem Ergebnis, dass Anpassungen oft nur oberflächlich vorgenommen wurden. Auch wenn punktuelle Fortschritte zwar sichtbar sind, bleibt flächendeckende Barrierefreiheit bisher ein unerreichtes Ziel. 

Komplexe Formulare, Online-Banking, Buchungssysteme für Hotels oder Flüge sowie PDF-Dokumente stellen nach wie vor massive Barrieren dar.

Noch deutlicher wird das Defizit bei physischen Geräten: Fahrkartenautomaten, Bestellterminals in Restaurants oder Selbstbedienungskassen im Supermarkt sind für viele Menschen mit Behinderungen weiterhin kaum überwindbare Hürden. Während im Web zumindest erste Schritte getan wurden, stagniert die Entwicklung bei diesen Systemen im öffentlichen Raum. Dabei entscheidet gerade die Nutzbarkeit solcher Geräte darüber, ob Betroffene ihren Alltag selbstständig bewältigen können. 

Hinzu kommt eine strukturelle Ausnahme, die im Alltag spürbar ist: Kleinstunternehmen mit unter 10 Beschäftigten und maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind vom Gesetz ausgenommen. In der Praxis bedeutet das ein Großteil lokaler Dienstleister bleibt außen vor. 

Marktüberwachung: Die Bewährungsprobe steht noch aus

Dass der Druck auf den Markt bisher überschaubar blieb, liegt auch an der Kontrollinstanz. Ein Jahr nach Inkrafttreten befindet sich Marktüberwachungsstelle noch im Aufbau und ist noch nicht vollumfänglich aktiv. Erste Beschwerden und offizielle Prüfverfahren wurden zwar erwartet, die eigentliche Bewährungsprobe für das Gesetz beginnt jedoch erst jetzt. Wie konsequent die Behörde langfristig vorgehen und Sanktionen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die tatsächliche Wirksamkeit des BFSG steht und fällt mit seiner Durchsetzung. Ohne Kontrollen und Sanktionen bleibt Barrierefreiheit für viele Unternehmen eine freiwillige Angelegenheit und das reicht nicht.

Fazit: Ein Erfolg auf dem Papier, ein langer Weg in der Praxis 

Hat das BFSG seine Ziele im ersten Jahr also erreicht? Die Antwort auf diese Frage lässt sich aus zwei Perspektiven beantworten: 

Ja, wenn man den Erfolg daran misst, dass digitale Barrierefreiheit endlich Teil der öffentlichen Diskussion geworden ist, Budgets existieren und das Bewusstsein in den Führungsebenen verankert wurde.  

Nein, wenn man erwartet hatte, dass innerhalb von zwölf Monaten eine barrierefrei zugängliche digitale Welt entsteht. Für Betroffene sind die Änderungen im Alltag bisher kaum wahrnehmbar. Das BFSG hat ein Fundament gelegt – die eigentliche Arbeit liegt jedoch noch vor uns. 

Banner, das zum Expertengespräch führt

Prüfe jetzt die Barrierefreiheit deiner Website und reduziere rechtliche Risiken, bevor sie entstehen.

Filter

Filter nach Kategorie

Bestätige nach Auswahl der Kategorien deine Eingabe mit dem Button am Ende der Liste

Filter zurücksetzen

Von der Einzellösung zur Plattform: Die Evolution der digitalen Barrierefreiheit

Geschichte lesen
Laptop mit dem Schriftzug "Manual Testing"

Manuelle Barrierefreiheits-Tests: Warum automatisierte Tests nicht genug sind

Geschichte lesen

Das Fashion Nova-Urteil: 5,15 Millionen USD als Folge fehlender Barrierefreiheit

Geschichte lesen
Luftballon mit einer 5 zum 5-jährigen Jubiläum von Eye-Able

5 Jahre Eye-Able: Gemeinsam für digitale Barrierefreiheit

Geschichte lesen
Button mit einem grünen Häkchen in der Mitte, im Hintergrund weitere Button mit "fail" und "pass" im Hintergrund

WCAG-Konformitätsstufen A, AA und AAA im Überblick 

Geschichte lesen
Banner mit WCAG 2.2 mit Icon für Barrierefreiheit und Formular im Hintergrund.

WCAG 2.2: Was gilt – und was kommt mit WCAG 3.0?

Geschichte lesen
Barrierefreiheits-Icon in der Mitte mit einer Checkliste daneben.

Barrierefreiheits-Test: So prüfen Sie Ihre Website richtig

Geschichte lesen
Links: Barrierefreies Design nach WCAG. Rechts: zwei Bilder mit guten und schlechtem Design.

Barrierefreies Design nach WCAG – So setzen Sie es praxisnah um

Geschichte lesen

So erstellen Sie PDFs barrierefrei – einfach & rechtskonform 

Geschichte lesen

So wird Ihr Online-Shop barrierefrei: Anforderungen, Vorteile und Umsetzungstipps

Geschichte lesen

Sie benötigen weitere Informationen?

Schreiben Sie uns und wir helfen Ihnen gerne weiter.

A man and a woman look at a monitor and laugh