Urteil gegen Carrefour: Wenn digitale Barrierefreiheit zur Pflicht wird

Alles begann im Jahr 2025, als die französischen Verbände ApiDV und Droit Pluriel flächendeckende Mängel bei den Online-Lieferdiensten im gesamten Lebensmitteleinzelhandel anprangerten. Im Fall von Carrefour machten Tests mit blinden und sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern konkrete Barrieren sichtbar:

  • keine ordnungsgemäße Navigation mit Screenreadern möglich

  • fehlende Alternativtexte für Bilder und Schaltflächen

  • unzureichende Farbkontraste

  • Probleme beim Finden von Produkten, Preisen und Lieferoptionen

  • keine Möglichkeit, einen Einkauf selbstständig abzuschließen

Hier ging es nicht um kleine technische Schönheitsfehler, sondern um ein viel grundlegenderes Problem: Der Dienst war in der Praxis schlicht nicht für alle nutzbar.

Das Gericht erkannte dies an und ordnete Folgendes an:

  • Herstellung der Barrierefreiheit innerhalb von 6 Monaten

  • ein Zwangsgeld von 500 € pro Tag bei Verzögerung

  • 10.000 € Entschädigung an die Verbände wegen kollektiven Schadens

Der wichtigste Aspekt ist jedoch ein anderer: Der Richter bewertete die tatsächliche User Experience – und nicht nur die formale Einhaltung von Standards.

Hinter dem Digitalen stehen Menschen

Dieser Fall führt uns etwas Fundamentales vor Augen: Wenn ein Dienst nicht barrierefrei ist, sprechen wir nicht über Code – wir sprechen über Menschen. Für viele blinde oder sehbehinderte Menschen ist der Online-Lebensmitteleinkauf kein bloßer Komfort, sondern Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

Wenn dieser Dienst nicht funktioniert:

  • geht Unabhängigkeit verloren

  • wird Zeit verschwendet

  • sind Menschen gezwungen, um Hilfe zu bitten

  • wird die Wahlfreiheit eingeschränkt

Eine Metapher, die während des Verfahrens aufkam, bringt es perfekt auf den Punkt:

Eine nicht barrierefreie Website ist wie eine Treppe für jemanden im Rollstuhl.

Der EAA: Vom Gesetz zur gelebten Praxis

Seit dem 28. Juni 2025 ist die Barrierefreiheit digitaler Dienste – einschließlich E-Commerce und Apps – gesetzlich vorgeschrieben. Einige Unternehmen haben diesen Wandel als Chance begriffen, während andere das Thema als fern, komplex oder aufschiebbar abgetan haben.

Heute ist die Botschaft jedoch unmissverständlich: Barrierefreiheit ist ein Recht und eine konkrete Notwendigkeit. Der EAA macht dies lediglich unmissverständlich klar und sorgt dafür, dass es auch durchgesetzt wird.

Ein Signal an den gesamten Markt

Der Fall Carrefour ist ein klares Signal dafür, dass:

  • europäische Vorschriften in der Praxis konsequent durchgesetzt werden

  • Barrierefreiheit anhand der echten Nutzererfahrung gemessen wird

  • von Unternehmen nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Antwort erwartet wird

Und vor allem, dass hinter jeder Benutzeroberfläche eine Verantwortung steht. Denn heute mehr denn je bedeutet digitales Design, eine einfache Frage zu beantworten: Kann das hier wirklich jeder nutzen?

Kann deine Website wirklich jeder nutzen? Mach jetzt den Test für deine eigene Seite.

Filter

Filter nach Kategorie

Bestätige nach Auswahl der Kategorien deine Eingabe mit dem Button am Ende der Liste

Filter zurücksetzen
Auf dem Bild ist eine Laptoptastatur mit angeschlossenem Screenreader zu sehen.

Surfen mit Sehbehinderung – Die verborgene Welt der Screenreader

Geschichte lesen
Mensch sitzt vor einem Laptop und fasst sich verzweifelt an die Stirn.

Unsichtbare Barrieren im Alltag und wo sie zu finden sind

Geschichte lesen
Zu sehen sind drei Menschen. Zwei davon biegen einen ursprünglich geradeaus zeigenden Pfeil, nach oben, in Richtung eines Strichmännchens, das Inklusion symbolisiert.

Die Zukunft wird inklusiv! Doch was heißt es überhaupt, digital barrierefrei zu sein?

Geschichte lesen
Mensch mit Down-Syndrom gibt einem anderen Menschen die Hand.

Bunte Socken für Inklusion – Der Welt-Down-Syndrom-Tag

Geschichte lesen
Frau liest ein Buch

Leichte Sprache auf Knopfdruck? Warum das nicht funktioniert.

Geschichte lesen
Ein lächelnder Mann

Webinar: Digitale Barrierefreiheit im öffentlichen Sektor

Geschichte lesen
Bild einer lächelnden Frau

Webinar: KI in der digitalen Barrierefreiheit

Geschichte lesen
Frau sitzt am Laptop und ist in einem Meeting mit vier Personen

Inklusive Online-Meetings: Unsere Top barrierefreien Best Practices

Geschichte lesen

Barrierefreie Visionen: Eye-Able® und KölnTourismus gehen gemeinsam voran

Geschichte lesen
Handys aufgefächert wie ein Kartenblatt. Auf den Bildschirmen steht jeweils ein Buchstabe des Wortes "Social". Im Hintergrund sind die Logos einiger Social-Media-Plattformen zu sehen.

Social Media ganz sozial: Barrierefreiheit auf Instagram, TikTok und Co.

Geschichte lesen

Sie benötigen weitere Informationen?

Schreiben Sie uns und wir helfen Ihnen gerne weiter.