Geschrieben von Daria Schulz am 21. Mai 2026

Accessibility Testing aus Nutzerperspektive

Wenn digitale Angebote nicht zugänglich sind, werden alltägliche Aufgaben schnell zur Hürde. Unser Accessibility Team erklärt, warum echte Nutzerperspektiven für barrierefreie Websites, Apps und Dokumente so wichtig sind.

Wenn digitale Routine plötzlich zur Hürde wird

Noch schnell vor Feierabend eine kurze Online-Bestellung aufzugeben oder ein Ticket für die nächste Messe zu kaufen ist für viele von uns etwas, das mit ein paar Klicks in wenigen Minuten erledigt ist. 

Doch das wird nicht von allen Menschen gleich erlebt.  Was für sehende Personen eine schnell durchgeführte Transaktion ist, kann für unsere Kollegen aus dem Accessibility Team schnell zur Hürde werden, wenn digitale Angebote nicht barrierefrei umgesetzt sind. 

Assistive Technologien wie Screenreader und Braillezeile gehören für unser Accessibility Team zum Alltag. Sie testen Websites und Apps nicht nur als Teil ihres Jobs, sondern nutzen digitale Services auch privat aus derselben Perspektive wie viele andere Betroffene: Als reale Nutzer.

Dabei zeigt sich oft erst mitten in der Nutzung, ob ein digitales Angebot wirklich zugänglich ist. Zum Beispiel: 

  • Wenn ein Einkauf nicht selbstständig möglich ist

  • Wenn ein Online-Formular nicht ausgefüllt werden kann

  • Wenn Dokumente nicht zugänglich sind

  • Oder wenn die Orientierung innerhalb einer Website verloren geht 

Unsere Tester schlagen also genau diese Brücke zur realen Nutzung: Sie prüfen die Zugänglichkeit von Websites, Apps und Dokumenten, führen Schulungen durch und beraten zu Fragen der digitalen Barrierefreiheit.

Die Erfahrungen aus ihrem Alltag mit digitalen Barrieren fließen dabei direkt in ihre Arbeit ein. Für sie ist Barrierefreiheit daher nicht nur ein berufliches Themenfeld, sondern auch eine persönliche Aufgabe und Haltung.  

Adem: Erfahrung trifft Technikverständnis

Adem ist seit 2022 als Barrierefreiheitstester bei Eye-Able tätig. Aufgrund einer Augenerkrankung ist er im späteren Lebensalter erblindet und daher heute auf assistive Technologien angewiesen.

Nach seiner Erblindung absolvierte er zunächst eine blindentechnische Ausbildung und anschließend eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Dadurch verbindet er im Accessibility Team die Perspektive von Menschen mit Behinderung mit fundiertem technischem Verständnis digitaler Anwendungen.

“Mein Ziel ist es, dazu beizutragen, digitale Angebote konsequent inklusiver zu gestalten und das Bewusstsein für die Bedeutung digitaler Zugänglichkeit nachhaltig zu stärken.” 

Carlo: Technikbegeistert seit Kindheit

Auch Carlo bringt seine persönliche Nutzererfahrung täglich in seinen beruflichen Alltag mit ein. Er ist seit 2025 Teil des Accessibility Teams, von Geburt an blind und interessiert sich schon seit seiner Kindheit für Technik und digitale Themen.

Ihm ist besonders wichtig digitale Barrierefreiheit nicht nur technisch zu betrachten, sondern aus echter Nutzerperspektive zu bewerten. 

“Gerade komplexere Probleme fallen oft erst im manuellen Test auf: Zum Beispiel dann, wenn Inhalte zwar technisch vorhanden sind, sich aber in der Praxis nicht logisch oder verständlich nutzen lassen.” 

Nermin: Nutzererfahrung mit Sprachkompetenz

Nermin, der ebenfalls geburtsblind ist, hat das Team erst vor Kurzem verstärkt. Ursprünglich kommt er aus dem Bereich Übersetzung und Dolmetschen, Technik hat ihn jedoch auch schon immer fasziniert. Durch eine zufällige Begegnung im Zug mit einem Mitarbeiter von Eye-Able, wurde er auf unsere Firma aufmerksam und war sofort von dem Konzept begeistert. Seitdem erweitert er das Team nicht nur um seine Sprachkenntnisse, sondern auch durch seine langjährige Erfahrung im Umgang mit assistiven Technologien.

Seiner Meinung nach sind Gesetze ein wichtiger erster Schritt, noch wichtiger ist es allerdings Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken.

“Vielen ist diese Perspektive nicht klar, aber oft geschieht das aus Unwissenheit und weniger aus Mangel an Umsetzungswillen.”

In den kommenden Wochen wird das Accessibility-Team regelmäßig Einblicke in seine Arbeit geben, zeigen wie Screenreader funktionieren, welche Barrieren automatisierte Tools nicht erkennen können und was digitale Produkte wirklich nutzbar macht.

Denn digitale Barrierefreiheit wird oft erst dann greifbar, wenn man erlebt, wie unterschiedlich digitale Nutzung tatsächlich sein kann. 

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