Geschrieben von Sebastian Fjeld am 22. August 2024

Mit allen über alles reden Teil 2: Einfache- und Leichte Sprache

Accessibility

One can see a girl with downsyndrome on the left side. On the right side a scheme can be seen depicting a longer text part and a shortened text part to symbolize the principle of Plain Language.Barrierefreiheit bedeutet weit mehr als den Abbau von physischen Hindernissen – es geht darum, dass alle Menschen gleichermaßen Zugang zu Informationen und Kommunikation haben. Und Kommunikation ist hier auch das Schlagwort. Wollen wir Informationen weitergeben, ist es wichtig, alle Menschen anzusprechen – und das am besten so, dass unser Gegenüber das auch richtig verstehen kann! 

In einem vergangenen Artikel "Mit allen über alles reden" haben wir uns bereits mit inklusiver Sprache beschäftigt und damit, wie sie dazu beitragen kann, Menschen zusammenzubringen.

Schaut gerne mal rein: Mit allen über alles reden – Inklusive Sprache - Eye-Able 

Heute widmen wir uns zwei weiteren wichtigen Sprachkonzepten: Einfache Sprache und Leichte Sprache. Diese beiden Ansätze öffnen Türen für Millionen von Menschen, die auf komplexe Inhalte oft keinen Zugriff haben, doch gibt es wichtige Unterschiede zwischen beiden. 

Beide Konzepte ermöglichen, dass viel mehr Menschen, unabhängig von Bildung, kognitiven Fähigkeiten oder Sprachkenntnissen, digitale Inhalte verstehen und daran teilhaben können. Doch was macht diese Sprachformen so besonders? Welche Regeln liegen ihnen zugrunde und wie unterscheiden sie sich? Taucht mit uns in die Welt dieser inklusiven Sprachkonzepte ein – lasst uns gemeinsam Barrieren abbauen und die digitale Kommunikation für alle Menschen verständlich machen! 

Einfache Sprache 

Einfache Sprache zielt darauf ab, komplexe Inhalte für ein breites Publikum verständlich zu machen. Hierbei werden Sätze vereinfacht und Fremdwörter oder Fachbegriffe vermieden oder erklärt.  

Die Einfache Sprache ist nicht so streng reglementiert wie die Leichte Sprache und richtet sich an Menschen, die Schwierigkeiten haben, komplizierte Texte zu verstehen – sei es aufgrund von Sprachbarrieren, geringem Bildungsniveau oder Leseschwäche.  

Sie kann Texte allgemein einem breiteren Publikum zugänglich machen. So ermöglicht sie in stressigen oder komplexen Situationen möglichst klare und einfache Informationen weiterzugeben, wie z.B. bei behördlichen Angelegenheiten oder im Gesundheitswesen. 

Kriterien der Einfachen Sprache
  • Kurze Sätze, die einfach strukturiert sind 

  • Vermeidung von Fremdwörtern oder deren Erklärung 

  • Verzicht auf lange Schachtelsätze und komplizierte Satzstrukturen 

  • Verwendung von klaren und prägnanten Formulierungen 

  • Inhaltsvermittlungen auf einem allgemeinen Verständnisniveau 

Leichte Sprache 

Leichte Sprache geht einen Schritt weiter und ist ein speziell entwickeltes Sprachkonzept, das sich an Menschen mit kognitiven Einschränkungen richtet. Sie unterliegt klaren Regeln und ist streng reguliert, damit die Texte leicht verständlich sind. Zielgruppe sind vor allem Menschen mit Lernbehinderungen, ältere Menschen, die aufgrund altersbedingter Einschränkungen Unterstützung beim Lesen benötigen, sowie Menschen, die die Sprache noch nicht gut beherrschen.  

In Deutschland sind die Leitlinien zur Erstellung von Texten in Leichter Sprache zum Beispiel durch das „Netzwerk Leichte Sprache“ festgelegt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales wurde auch ein Ratgeber für Leichte Sprache veröffentlicht.  

Diesen findet ihr hier: Leichte Sprache – Ein Ratgeber - BMAS 

Kriterien der Leichten Sprache
  • Sehr kurze, einfache Sätze, oft nur Hauptsätze 

  • Keine Verwendung von Fremdwörtern; Falls notwendig, müssen sie erklärt werden 

  • Zahlen werden ausgeschrieben 

  • Einfache, klare und konkrete Wortwahl 

  • Verwendung von Bildmaterial zur Unterstützung des Textverständnisses 

  • Häufige Wiederholung von wichtigen Informationen 

  • Keine Verwendung von Metaphern oder Ironie 

Unterschiede zwischen Einfacher Sprache und Leichter Sprache 

Obwohl beide Sprachkonzepte das Ziel verfolgen, Inhalte verständlicher zu machen, unterscheiden sie sich in ihrem Anwendungsbereich und ihrer Strenge. Einfache Sprache ist flexibler und zielt darauf ab, Texte für eine breitere Leserschaft zugänglich zu machen, während Leichte Sprache speziell für Menschen mit kognitiven Einschränkungen entwickelt wurde und strengen Regeln folgt. 

Warum sind diese Konzepte wichtig? 

Die Anwendung von Einfacher und Leichter Sprache fördert die Inklusion und Teilhabe in unserer Gesellschaft. Menschen, die sonst Schwierigkeiten hätten, Informationen zu verstehen, werden durch diese Sprachkonzepte befähigt, selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Für Unternehmen und Organisationen bedeutet dies nicht nur, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sondern auch, eine breitere Zielgruppe zu erreichen.  

Von einer Gesellschaft, die effektiv miteinander kommuniziert und in der alle ihre Fähigkeiten voll einbringen können, profitieren alle Menschen. Deshalb lasst uns weiter gemeinsam daran arbeiten, die digitale Welt für alle zugänglich zu gestalten! 

Sebastian Fjeld

Sebastian Fjeld gehört als professioneller Sprecher und Texter von Anfang an zum Eye-Able®-Team. Er hat "voice acting" an einer Universität studiert und wurde von Schauspielern ausgebildet. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Dolmetscher für verschiedene Sprachen.
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One can see a girl with downsyndrome on the left side. On the right side a scheme can be seen depicting a longer text part and a shortened text part to symbolize the principle of Plain Language.

Mit allen über alles reden Teil 2: Einfache- und Leichte Sprache

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