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Wer prüft eigentlich die Barrierefreiheit?
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Los geht die Reiseplanung meist auf einem Buchungsportal oder einer Vergleichsseite für Flüge und Hotels. Diese Plattformen sind für viele die erste Anlaufstelle, weil sie eine schnelle, einfache und günstige Buchung versprechen, und genau hier zeigt sich auch am deutlichsten, wie unterschiedlich der Stand der Dinge inzwischen ist.
Bereits beim allerersten Schritt der Buchung, der Angabe von Reisedaten wie Reisezeitraum oder -dauer, zeigen sich die ersten Hürden. Je nach Portal wird das unterschiedlich umgesetzt, etwa zum Beispiel über einen Kalender oder einen Schieberegler, im Kern geht es aber immer um dieselbe Angabe. Wer mit Tastatur und Screenreader navigiert, kommt auf manchen Portalen schon hier kaum weiter: Teilweise kann man per Tastatur gar nicht erst in den Kalender navigieren, sodass man an die Auswahl überhaupt nicht herankommt. Wo das gelingt, lässt sich ein gewünschter Tag oft trotzdem nicht zuverlässig ansteuern oder ist nicht aussagekräftig beschriftet. Bei Portalen mit Schieberegler zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Regler lässt sich nur schwer einzeln erreichen, und welcher Wert gerade eingestellt ist, wird nicht zuverlässig mitgeteilt.
Beispiel für einen wenig barrierefreien Buchungskalender

Beispiel für eine schwer bedienbare Auswahl der Reisedauer
Andere Portale zeigen inzwischen, dass es auch anders geht: Dort wird jeder Tag klar vorgelesen und jede Auswahl eindeutig bestätigt. Der Unterschied zwischen beiden Welten liegt oft an vergleichsweise kleinen Stellschrauben im Code, umso ärgerlicher, dass die noch nicht überall gedreht wurden.
Beispiel für einen gut zugänglichen Buchungskalender (Booking.com)
Beispiel für eine klar bestätigte Datumsauswahl (Deutsche Bahn)
Ähnliche Probleme treten an vielen anderen Stellen der Buchungsportale auf. Schaltflächen sind teilweise nicht ausreichend beschriftet, der Screenreader liest dann nur generische Begriffe wie „Schalter" oder „Taste" vor, ohne dass klar wird, was sich dahinter verbirgt. Auch bei Filterfunktionen wiederholt sich dieses Muster: Ein Häkchen lässt sich zwar setzen, welche Optionen davon gerade aktiv sind, teilt der Screenreader aber nicht zuverlässig mit. Woran es hier oft hakt, ist nicht die Technik an sich, denn auf anderen Portalen tragen Buttons längst aussagekräftige Namen und lassen sich Filter vollständig über Tastatur und Screenreader bedienen. Es ist eher eine Frage davon, wer diesen Schritt schon konsequent mitgedacht hat.
Beispiel für nicht ausreichend beschriftete Bedienelemente
Beispiel für falsch ausgegebene Elementrollen
Beispiel für eine schwer bedienbare Filterfunktion
Auch wie Informationen aufbereitet sind, kann die Nutzung erschweren. Inhalte sind nicht immer logisch strukturiert, Preise, Flugzeiten oder Hotelinformationen werden ohne klare Gliederung hintereinander vorgelesen, und die Lesereihenfolge stimmt nicht immer mit der visuellen Darstellung überein. Ähnlich verhält es sich mit der Navigation selbst: Öffnet sich zum Beispiel ein Dialogfenster, bleibt der Fokus nicht immer darauf beschränkt, sodass man sich weiter durch Elemente im Hintergrund tasten kann, während der eigentliche Dialog kaum zu erreichen ist. Wo Seiten das schon im Griff haben, merkt man den Unterschied sofort: Die Reihenfolge für den Screenreader entspricht dann genau dem, was man auf dem Bildschirm sieht, das macht die Navigation flüssig und nachvollziehbar.
Beispiel für unstrukturiert vorgelesene Hotelinformationen
Beispiel für eine unklare Informationsdarstellung in der Trefferliste

Vor Ort entscheidet dann oft der öffentliche Nahverkehr darüber, wie selbstständig man sich bewegen kann. Damit das gelingt, kommt es vor allem auf die Apps der örtlichen Verkehrsunternehmen an: Lassen sich Fahrpläne zuverlässig auslesen, werden Verbindungen klar angesagt, und kommen auch kurzfristige Änderungen wie Verspätungen oder Gleiswechsel beim Screenreader an? Solche Fragen entscheiden am Ende darüber, ob man sich im Nahverkehr einer fremden Stadt genauso selbstständig zurechtfindet wie zuhause.
Genauso wichtig wie die App ist aber die Infrastruktur vor Ort, denn digitale Barrierefreiheit allein reicht nicht aus, wenn sie am Bahnsteig endet. Wird die nächste Haltestelle im Bus laut und deutlich angesagt? Gibt es am Bahnsteig ein taktiles Leitsystem? Solche Details entscheiden mit darüber, ob digitale und physische Barrierefreiheit tatsächlich zusammengreifen, denn erst dann wird die Fortbewegung im Urlaub wirklich stressfrei und sicher.
Hat man die Hürden der Buchung gemeistert und ist am Zielort angekommen, setzt sich das Thema digitale Barrierefreiheit im Urlaubsalltag fort. Kulturausflüge gehören schließlich zu den schönsten Facetten einer Reise, und viele Museen und Sehenswürdigkeiten bieten inzwischen eigene Apps mit digitalen Tour-Guides an. Hier zeigt sich ein gemischtes Bild: Während einige Vorzeigeprojekte hervorragend gestaltete Audio-Touren mit plastischen Beschreibungen bieten und blinde Gäste inhaltlich genauso abholen wie sehende, setzen viele Standard-Apps weiterhin rein auf visuelle Bedienelemente, sodass der digitale Kulturführer für blinde Gäste stumm bleibt.
Ein besonderes Highlight jeder Reise ist das Entdecken der lokalen Gastronomie. Doch ausgerechnet beim Restaurantbesuch wartet eine weitere verbreitete digitale Hürde: die Speisekarte. Dass immer mehr Restaurants ihre Karte per QR-Code am Tisch anbieten, ist für sich genommen schon ein Gewinn, denn im Gegensatz zur gedruckten Karte landet der Inhalt damit erstmal im Digitalen, wo ihn ein Smartphone theoretisch vorlesen könnte.
Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Datei vom Screenreader auch tatsächlich verarbeitet werden kann. In vielen Restaurants lässt sich die Speisekarte nämlich noch als eingescanntes PDF oder als reine Bilddatei finden, statt als auslesbarer Text wie es bei einer normalen Website oder einer barrierefreien PDF-Datei der Fall wäre. Das hat zur Folge, dass auch hier nur eine einzelne leicht zu behebende Barriere eine gesamte Nutzergruppe ausschließt.
Am Ende zeigt sich: Barrierefreiheit im Tourismus ist kein Nischenthema mehr, sondern längst angekommen. Was vor einigen Jahren für blinde Menschen noch kaum vorstellbar war, etwa eine Hotelbuchung völlig eigenständig am Handy abzuschließen, gehört heute mehr und mehr zum Alltag. Von barrierefreien Buchungsportalen über zugängliche Museums-Apps bis hin zur einfachen Speisekarte im Klartext ist zwar noch nicht jede Hürde beseitigt, aber die Richtung stimmt, und am Ende gewinnt jeder Gast, wenn digitale Angebote für alle Menschen zugänglich gestaltet werden.
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