Geschrieben von Carolin Kaulfersch am 26. März 2026

Mehr Menschen erreichen: Für wen sich digitale Barrierefreiheit wirklich lohnt

Accessibility
Barrierefreiheit wird oft unterschätzt – dabei betrifft sie einen großen Teil der Bevölkerung. In diesem Artikel erklären wir, warum digitale Barrieren mehr Menschen ausschließen, als viele denken, und welche Auswirkungen das konkret hat. Du erfährst, welche Nutzergruppen durch digitale Barrieren häufig übersehen werden, warum Barrieren zu Abbrüchen bei Kauf, Buchung oder Nutzung führen und weshalb barrierefreie Websites nicht nur inklusiver, sondern auch erfolgreicher sind.

Warum Barrierefreiheit oft nicht priorisiert wird 

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit Barrierefreiheit erst, wenn sie müssen. Bei Behörden oder Kommunen ist das anders. Sie haben den klaren Auftrag, alle Menschen zu erreichen und ihre Angebote zugänglich zu gestalten. 

In Unternehmen sieht die Perspektive oft anders aus. Dahinter steckt ein Gedanke, der selten offen ausgesprochen wird: Menschen mit Behinderungen gehören nicht zur eigenen Zielgruppe. Zum Beispiel blinde Nutzerinnen und Nutzer – also hat das Thema für das eigene Angebot vermeintlich keine große Relevanz. 

Was dabei leicht übersehen wird: Digitale Barrieren betreffen nicht nur diese eine Gruppe. Sie betreffen ältere Menschen, Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, Menschen mit Sprachbarrieren – und oft auch Situationen, in denen Nutzung einfach gerade schwieriger ist als sonst. 

Immer dann, wenn Inhalte schwer lesbar sind, Navigation unklar ist oder die Bedienung nicht funktioniert, wird aus einem eigentlich einfachen Vorgang schnell eine Hürde. Und damit betrifft das Thema deutlich mehr Menschen, als man zunächst annimmt.

Wen schließt eine nicht barrierefreie Website wirklich aus? 

Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, wird oft unterschätzt. Dabei zeigen die Zahlen ein klares Bild: Digitale Barrieren betreffen keinen kleinen Teil der Bevölkerung, sondern viele unterschiedliche Gruppen gleichzeitig.

Ältere Menschen und Sehbeeinträchtigungen

Rund 23 % der Menschen in Deutschland sind über 65 Jahre alt – mit zunehmendem Alter steigen auch Einschränkungen beim Sehen oder bei der Bedienung. Gleichzeitig sind etwa 8 % der Männer farbenfehlsichtig, sodass geringe Kontraste oder farbabhängige Informationen schnell zur Hürde werden.

Kognitive und sprachliche Barrieren 

Auch kognitive und sprachliche Anforderungen spielen eine große Rolle: Etwa 4–5 % der Bevölkerung leben mit ADHS, 5–10 % mit Legasthenie. Hinzu kommt, dass rund 30 % der Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund haben – verständliche Sprache ist damit für viele entscheidend, um Inhalte überhaupt erfassen zu können.  

Infografik zu Gruppen, für die sich digitale Barrierefreiheit wirklich lohntKörperliche Einschränkungen 

Dazu kommen körperliche Einschränkungen, die oft nicht mitgedacht werden. 17,9 % der Erwachsenen leiden an Arthrose, bei Menschen über 65 sind es deutlich mehr. Gleichzeitig leiden rund 8 Millionen Menschen in Deutschland an Migräne, bei der visuelle Reize schnell zur Belastung werden können.

Situative Einschränkungen im Alltag 

Und nicht zuletzt gibt es viele Situationen, die jeden betreffen können: Jährlich kommt es zu über 8 Millionen Unfallverletzungen, die vorübergehend die Nutzung von Händen einschränken. Gleichzeitig erfolgt ein Großteil der Smartphone-Nutzung einhändig – auch das stellt Anforderungen an Bedienbarkeit. 

Die meisten Menschen gehören mindestens einer dieser Gruppen an – oft sogar mehreren gleichzeitig. 

Wer seine Website nicht barrierefrei gestaltet, schließt damit nicht einzelne Nutzergruppen aus, sondern einen großen Teil der Bevölkerung – dauerhaft oder situativ.

Wenn so viele Menschen betroffen sind, stellt sich eine zentrale Frage: Was bedeutet das eigentlich konkret für Unternehmen?

Was digitale Barrieren konkret kosten 

Digitale Barrieren sind nicht nur ein Usability-Problem. Sie können direkt Umsatz kosten. 

Das zeigt auch eine internationale Studie von Capterra (2024): 38 % der befragten Unternehmen berichten nach der Einführung barrierefreier Funktionen von steigenden Umsätzen oder besseren Conversion Rates

Wie groß das wirtschaftliche Potenzial ist, zeigt auch ein Blick auf den sogenannten „Purple Pound“. Der Begriff beschreibt die Kaufkraft von Menschen mit Behinderungen – allein in Europa umfasst sie mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr. Wer diese Gruppe nicht erreicht, verzichtet auf einen relevanten Teil des Marktes. 

Wie schnell sich das im Alltag summiert, lässt sich anhand eines einfachen Beispiels ausrechnen: 

Ein Online-Shop hat 100.000 Besuche im Monat, eine Conversion Rate von 2 % und einen durchschnittlichen Warenkorb von 80 Euro. Daraus ergibt sich ein Monatsumsatz von 160.000 Euro. 

Wenn nur 3 % der Besuche an vermeidbaren Barrieren scheitern, betrifft das 3.000 potenzielle Nutzende. Würden sie sich ähnlich verhalten wie die übrigen Besuchenden, entspricht das rund 60 verlorenen Bestellungen pro Monat. 

Bei einem Warenkorb von 80 Euro sind das 4.800 Euro weniger Umsatz im Monat – also 57.600 Euro im Jahr. 

Und das ist noch vorsichtig gerechnet. Wiederkehrende Käufe, Empfehlungen oder Vertrauensverlust sind hier nicht berücksichtigt. 

Gerade bei Menschen mit Behinderungen spielt Vertrauen eine große Rolle. Wer einmal eine Website oder App findet, die wirklich funktioniert, bleibt oft dabei – und empfiehlt sie weiter. Positive Erfahrungen sprechen sich innerhalb der Community schnell herum. 

Eine Analyse von Forrester (2022) schätzt, dass Investitionen in Barrierefreiheit einen Return von bis zu 100 US-Dollar pro investiertem Dollar erzielen können. Auch wenn solche Werte immer vom Einzelfall abhängen, zeigt die Größenordnung, welches wirtschaftliche Potenzial in barrierefreien Angeboten steckt. 

Umgekehrt gilt aber auch: Wer auf Barrieren stößt, kehrt häufig nicht zurück. 

Barrierefreiheit entscheidet damit ganz konkret darüber, wie viele Menschen kaufen, buchen oder abspringen. 

“Eine nicht barrierefreie Website schließt nicht nur Menschen mit Behinderungen aus – sondern einen erheblichen Teil der gesamten Bevölkerung.” 

CTA Banner zum ExpertengesprächDer „Curb-Cut-Effekt": Gut für alle 

Der Begriff stammt aus der Stadtplanung: Bordsteinabsenkungen wurden einst für Rollstuhlfahrer gebaut – heute nutzen sie Menschen mit Kinderwagen, Fahrrädern und Koffern. Dasselbe Prinzip gilt digital. Wer Inhalte klar strukturiert, ausreichende Kontraste einsetzt, Texte verständlich formuliert und Formulare logisch aufbaut, verbessert die Erfahrung für alle Nutzerinnen und Nutzer. Nicht trotz Barrierefreiheit, sondern gerade deshalb.  

Barrierefreie Websites sind zudem schneller ladend, besser in Suchmaschinen auffindbar und einfacher wartbar. Korrekte semantische Auszeichnung, Alt-Texte und saubere Seitenstruktur – alles, was für Menschen mit Screenreader funktioniert – hilft auch dem Google-Crawler. SEO und Barrierefreiheit verfolgen oft das gleiche Ziel: Inhalte so aufzubereiten, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können.

Wie du Barrierefreiheit konkret angehst 

Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Prozess. Er beginnt mit einer einfachen Frage: Welche Menschen können meine Website heute nicht oder nur eingeschränkt nutzen? 

Oft sind es keine großen technischen Hürden, sondern viele kleine Dinge, die zusammen Wirkung zeigen. Unklare Strukturen, fehlende Kontraste oder schwer bedienbare Formulare reichen aus, damit Nutzerinnen und Nutzer abbrechen. 

Gleichzeitig sind viele der wirksamsten Maßnahmen gut umsetzbar: klare Überschriftenhierarchien, ausreichende Kontraste, beschriftete Formularfelder oder eine Navigation, die auch ohne Maus funktioniert.

Die Frage ist nicht mehr: „Lohnt sich das?" – sondern: „Wie viele Menschen verliere ich täglich, weil ich es noch nicht umgesetzt habe?"

Wenn du dir unsicher bist, wo deine Website heute steht, lohnt sich ein genauer Blick. Mit Eye-Able kannst du Barrieren sichtbar machen und gezielt angehen – durch automatisierte Analyse und manuelle Prüfung durch Accessibility-Expertinnen und -Experten. 

So wird aus einem komplexen Thema ein klar strukturierter Prozess. 

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