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Stadt Bonn für digitale Barrierefreiheit
Geschichte lesenInklusive Sprache ist eine Art zu sprechen und zu schreiben, die alle Menschen respektiert und niemanden ausgrenzt, abwertet oder in Schubladen steckt. Sie umfasst viele Bereiche: wie wir über Menschen mit Behinderungen sprechen, geschlechtergerechte Formulierungen, den Verzicht auf Altersdiskriminierung und Rassismus und Beschreibungen, die Menschen nicht auf ein Merkmal reduzieren. Oft ist auch von diskriminierungsfreier oder diskriminierungssensibler Sprache die Rede. Gemeint ist dasselbe: eine Wortwahl, die Inklusion und Diversität sichtbar macht.
Bei inklusiver Sprache geht es nicht um verbotene Wörter oder komplizierte Regeln. Es geht um Sensibilität: Worte bewusst zu wählen – und Menschen zu fragen, wie sie angesprochen werden möchten.
Sprache prägt, wie wir die Welt und einander sehen. Inklusive Sprache wirkt auf drei Ebenen:
Sie fördert Gleichberechtigung und Chancengleichheit: Wenn alle Menschen in der Sprache vorkommen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Behinderung, fühlen sich alle angesprochen.
Sie macht Kommunikation wirksamer: Klare, respektvolle Worte verringern Missverständnisse und schaffen Vertrauen.
Sie baut Vorurteile ab: Wer auf Stereotype verzichtet, sieht Menschen mit ihren individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten, nicht mit Annahmen über eine Gruppe.
Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe ist auch in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verankert. Inklusive Kommunikation ist ein einfacher, alltäglicher Beitrag dazu.
Viele gängige Formulierungen über Behinderung sind gut gemeint, vermitteln aber trotzdem ein negatives oder einseitiges Bild. Das Projekt Leidmedien gibt dazu praktische Tipps, ebenso die Leitlinien der Vereinten Nationen in Genf. Die wichtigsten Grundsätze:
Behinderung nur erwähnen, wenn sie relevant ist. In vielen Zusammenhängen spielt sie schlicht keine Rolle.
Beschreiben, nicht bewerten. Eine Behinderung ist eine Tatsache, kein Schicksal und keine Last.
Kein Mitleid, kein Heldentum. Menschen mit Behinderungen sind weder Opfer noch Heldinnen und Helden, nur weil sie ihren Alltag leben.
Nachfragen. Wenn du unsicher bist, wie jemand beschrieben werden möchte, frag nach.
Einige Beispiele für Formulierungen, die du vermeiden solltest, und bessere Alternativen:
Statt „leidet an einer Behinderung“ besser „hat eine Behinderung“ oder „lebt mit einer Behinderung“.
Statt „an den Rollstuhl gefesselt“ besser „nutzt einen Rollstuhl“ oder „ist im Rollstuhl unterwegs“.
Statt „die Behinderten“ besser „behinderte Menschen“ oder „Menschen mit Behinderung“.
Statt „gehandicapt“ oder „Handicap“ besser „Behinderung“ – das Wort ist kein Tabu.
Statt „besondere Bedürfnisse“ besser konkret benennen, was jemand braucht, etwa „braucht eine Gebärdensprachdolmetschung“.
Statt „trotz ihrer Behinderung meistert sie ihren Alltag“ besser einfach beschreiben, was sie tut.
Statt „normale Menschen“ besser „nicht behinderte Menschen“ oder „Menschen ohne Behinderung“.
Statt „taubstumm“ besser „gehörlos“ – gehörlose Menschen können sprechen, viele kommunizieren in Gebärdensprache. Allgemeiner ist „Menschen mit Hörbehinderung“.
Statt „geistig behindert“ bevorzugen viele Selbstvertretungen, etwa das Netzwerk Mensch zuerst, die Bezeichnung „Menschen mit Lernschwierigkeiten“.
Statt „gehbehindert“ sachlicher „Menschen mit Mobilitätseinschränkung“ oder konkret „Menschen, die einen Rollator nutzen“.
Manche Begriffe haben auch eine rechtliche Bedeutung. „Schwerbehinderte Menschen“ ist zum Beispiel ein Begriff aus dem Sozialgesetzbuch und in rechtlichen Zusammenhängen korrekt.
Beide Formulierungen sind üblich. Fachleute sprechen von Person-zuerst-Sprache und Identität-zuerst-Sprache. „Mensch mit Behinderung“ stellt die Person in den Vordergrund. „Behinderter Mensch“ betont, dass Menschen durch Barrieren in der Gesellschaft behindert werden. Viele Selbstvertretungen bevorzugen deshalb diese Form.
Auch bei einzelnen Behinderungen gibt es Unterschiede: Viele autistische Menschen bezeichnen sich lieber als „Autistin“ oder „Autist“ statt als „Mensch mit Autismus“. Die verlässlichste Regel lautet: Richte dich nach der Selbstbezeichnung der Person oder Gruppe, über die du schreibst.
Geschlechtergerechte Sprache spricht alle Menschen an, unabhängig vom Geschlecht. Im Deutschen ist das eine besondere Herausforderung, weil viele Personenbezeichnungen ein grammatisches Geschlecht haben. Das generische Maskulinum, also etwa „die Kunden“ für alle, ist zwar verbreitet, wird aber oft nur männlich verstanden. Paarformen wie „Kundinnen und Kunden“ schließen wiederum nichtbinäre Geschlechteridentitäten nicht ein. Gleichzeitig darf geschlechtergerechte Sprache keine neuen Barrieren schaffen.
Genderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich werden von Screenreadern je nach Einstellung mitgelesen, als Pause gesprochen oder überlesen. Für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich Texte vorlesen lassen, kann das den Lesefluss stören. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) empfiehlt deshalb, vorrangig neutrale Formulierungen zu verwenden. Wenn doch mit Kurzformen gegendert werden soll, rät der DBSV zum Genderstern, weil es für sehbehinderte Menschen besser erkennbar ist als Doppelpunkt oder Unterstrich.
Auch Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geringen Deutschkenntnissen haben es mit Sonderzeichen mitten im Wort oft schwerer. In der Leichten Sprache werden Genderzeichen deshalb meist ganz vermieden.
Bei Eye-Able verzichten wir in unseren Texten auf Genderzeichen und nutzen neutrale Formulierungen. Das geht öfter, als man denkt:
Neutrale Personenbezeichnungen: „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“, „Lehrkraft“ statt „Lehrer“, „Ansprechperson“ statt „Ansprechpartner“, „Nutzende“ statt „Nutzer“.
Sammelbegriffe: „das Team“, „die Belegschaft“, „das Kollegium“.
Umformulieren ohne Personenbezeichnung: „Nach der Anmeldung erscheint …“ statt „Nachdem der Nutzer sich angemeldet hat …“.
Direkte Ansprache: „Gib deine E-Mail-Adresse ein“ oder „E-Mail-Adresse eingeben“ statt „Der Nutzer muss seine E-Mail-Adresse eingeben“.
Paarformen, wo sie passen: „Kundinnen und Kunden“ – sparsam eingesetzt, damit Texte nicht zu lang werden.
Anrede: „Guten Tag Alex Müller“ oder „Liebes Team“ statt „Sehr geehrte Damen und Herren“, wenn das Geschlecht nicht bekannt ist.
Keine festen Rollenbilder: „Pflegekraft“ statt „Krankenschwester“, und nicht automatisch „der Chef“ und „die Assistentin“.
Weitere Ideen für geschlechtslose Formen und neutrale Bezeichnungen findest du zum Beispiel bei Genderleicht.de, einem Projekt des Journalistinnenbunds.
Inklusive Sprache geht über Behinderung und Geschlecht hinaus. Einige Beispiele:
Alter: Statt „die Alten“ oder „Senioren“ besser „ältere Menschen“. Vermeide Annahmen wie „Ältere kommen mit Technik nicht klar“.
Herkunft: Herkunft oder Hautfarbe nur erwähnen, wenn sie relevant ist. Vermeide Verallgemeinerungen über ganze Gruppen.
Psychische Gesundheit: Diagnosen nicht als Adjektiv verwenden, etwa „Ich bin heute total autistisch“ oder „Das ist doch krank“. Statt „Selbstmord“ besser „Suizid“. Solche Formulierungen verstärken das Stigma, das psychische Erkrankungen ohnehin oft begleitet.
Besonders wichtig ist inklusive Sprache dort, wo viele Menschen denselben Text lesen: auf Websites, in Apps und in Formularen.
Alternativtexte: Wenn du Menschen auf Bildern beschreibst, beschränke dich auf das, was für den Inhalt relevant ist. Wie das geht, zeigt unser Artikel zu Alternativtexten.
Formulare: Frag das Geschlecht nur ab, wenn du es wirklich brauchst, und biete mehr Optionen als „männlich“ und „weiblich“ an, auch „keine Angabe“. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu barrierefreien Formularen.
Texte in der Benutzeroberfläche: Nutzende direkt und neutral ansprechen, möglichst mit Infinitiven wie „Passwort eingeben“.
Bilder: Zeig die Vielfalt der Menschen, die du ansprichst – ohne Klischees.
Videos: Untertitel, Audiodeskription und, wo sinnvoll, eine Übersetzung in Gebärdensprache machen Inhalte auch für gehörlose und blinde Menschen zugänglich.
Viele Barrieren sind nicht baulich, sondern sozial – und sie beginnen oft bei der Sprache. Weitere Beispiele zeigt unser Artikel zu den häufigsten Barrieren im Alltag.
Für Unternehmen ist inklusive Sprache nicht nur eine Frage der Haltung. Sie prägt die Markenwahrnehmung und entscheidet mit darüber, wen du erreichst:
Stellenausschreibungen: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligungen schon in der Ausschreibung. Neutrale Berufsbezeichnungen und der Hinweis, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen willkommen sind, sprechen mehr Menschen an.
Produktbeschreibungen und Werbekampagnen: Klischeefreie Texte und Bilder sprechen eine breitere Zielgruppe an und vermeiden Kritik in den sozialen Medien.
B2B-Kommunikation: Auch Entscheiderinnen und Entscheider in Unternehmen und Behörden achten zunehmend auf eine respektvolle Wortwahl.
Ein eigener Leitfaden: Ein kurzer Leitfaden für eine inklusive Sprache mit bevorzugten Begriffen und Beispielen sorgt dafür, dass alle im Team einheitlich formulieren.
Respektvolle Sprache wirkt nur, wenn Menschen sie verstehen. Lange, verschachtelte Sätze und Fachjargon schließen Menschen mit Lernschwierigkeiten, kognitiven Beeinträchtigungen oder geringen Deutschkenntnissen aus. Inklusive und verständliche, also barrierefreie Sprache gehören deshalb zusammen. Für Leichte Sprache gibt es eigene Regeln, etwa vom Netzwerk Leichte Sprache.
Was Einfache Sprache und Leichte Sprache unterscheidet und für wen sie gedacht sind, erklärt unser Artikel zu Einfacher und Leichter Sprache.
Inklusive Sprache ist kein Regelwerk, sondern eine Haltung. Sie bedeutet, Worte bewusst zu wählen, Stereotype zu vermeiden und Menschen zu fragen, wie sie angesprochen werden möchten. Schon kleine Änderungen machen einen großen Unterschied: Sie zeigen Respekt und sorgen dafür, dass sich alle angesprochen fühlen. Denn wie wir über die Welt sprechen, prägt die Welt, in der wir leben.
Inklusive Sprache ist eine Art zu sprechen und zu schreiben, die alle Menschen respektiert und niemanden ausgrenzt oder in Schubladen steckt. Dazu gehören ein respektvoller Umgang mit dem Thema Behinderung, geschlechtergerechte Formulierungen und der Verzicht auf Altersdiskriminierung und Rassismus. Oft wird auch von diskriminierungsfreier oder diskriminierungssensibler Sprache gesprochen.
Beides ist üblich. „Mensch mit Behinderung“ stellt die Person in den Vordergrund, „behinderter Mensch“ betont, dass Barrieren in der Gesellschaft Menschen behindern. Wenn du über eine bestimmte Person oder Gruppe schreibst, richte dich nach ihrer Vorliebe.
Sag „hat“ oder „lebt mit“, zum Beispiel „hat Multiple Sklerose“ oder „lebt mit einer Behinderung“. „Leidet an“ stellt die Behinderung als Schicksal dar, und viele Menschen mit Behinderungen erleben das nicht so.
Je nach Einstellung lesen Screenreader Zeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt mit, sprechen eine Pause oder überlesen sie. Das kann den Lesefluss stören. Der DBSV empfiehlt deshalb vorrangig neutrale Formulierungen und, falls doch Kurzformen verwendet werden, das Sternchen.
Am barrierefreiesten sind neutrale Formulierungen ohne Sonderzeichen, etwa „Mitarbeitende“, „Lehrkraft“ oder „das Team“. Wo das nicht passt, hilft die Beidnennung wie „Kundinnen und Kunden“ oder eine Umformulierung ohne Personenbezeichnung.
Nutze neutrale Berufsbezeichnungen wie „Fachkraft“ oder „Leitung“, vermeide Begriffe, die auf Alter oder Herkunft zielen, wie „junges Team“ oder „Muttersprache Deutsch“, und lade ausdrücklich Menschen mit Behinderungen zur Bewerbung ein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligungen schon in der Ausschreibung.
Nein. Bei inklusiver Sprache geht es um respektvolle Formulierungen, bei Einfacher Sprache um gute Verständlichkeit. Beides gehört zusammen, denn ein Text ist nur dann inklusiv, wenn Menschen ihn verstehen.
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