Geschrieben von Carolin Kaulfersch am 19. März 2026

Wie viel Barrierefreiheit brauche ich wirklich?

Accessibility
A, AA oder AAA – was ist wirklich notwendig? In diesem Beitrag erfährst du, welche Anforderungen rechtlich maßgeblich sind, warum hundertprozentige Barrierefreiheit kaum dauerhaft erreichbar ist und wie du strukturiert vorgehst, ohne dich zu überfordern.

Level A, Level AA und Level AAA und WCAG Symbol mit Mann auf der rechten SeiteWie viel Barrierefreiheit ist gesetzlich vorgeschrieben?

In vielen Projekten zur digitalen Barrierefreiheit taucht früher oder später dieselbe Frage auf: Reicht es, die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen, oder müssen sämtliche Kriterien vollständig umgesetzt werden? 

Die Unsicherheit entsteht vor allem durch die unterschiedlichen Konformitätsstufen der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Während Level A grundlegende Anforderungen definiert, geht Level AA deutlich weiter. Level AAA hingegen beschreibt eine zusätzliche Optimierung, die in der Praxis nicht immer vollständig realisierbar ist. 

Deshalb ist es wichtig, genau zu unterscheiden: Was ist verpflichtend – und was ist zusätzliche Optimierung? Und wie lässt sich Barrierefreiheit dauerhaft strukturiert umsetzen? 

Was du wirklich wissen musst: 

  • Maßstab ist WCAG AA – nicht maximale Optimierung auf AAA. 

  • Rechtskonformität heißt systematisch vorgehen, nicht alles auf einmal lösen. 

  • Barrierefreiheit ist kein Zielzustand, sondern ein Prozess.

Die häufigste Fehlannahme: „Wir müssen alles erfüllen“ 

In vielen Unternehmen hält sich hartnäckig die Annahme, digitale Barrierefreiheit sei nur dann erreicht, wenn sämtliche Kriterien der Konformitätsstufen A, AA und AAA vollständig umgesetzt werden. Diese Vorstellung führt häufig zu zwei problematischen Reaktionen: Entweder wird das Projekt aus Angst vor dem Umfang verschoben – oder es wird mit unrealistischen Perfektionsansprüchen gestartet. 

Tatsächlich sehen die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) bewusst unterschiedliche Konformitätsstufen vor. Sie unterscheiden zwischen grundlegenden Anforderungen (Level A), erweiterten Anforderungen (Level AA) und zusätzlichen Optimierungen (Level AAA). 

Entscheidend ist nicht, ob alle Kriterien erfüllt werden, sondern welche Anforderungen rechtlich maßgeblich sind. 

CTA Banner, das zum kostenlosen Website-Check führtWarum viele Unternehmen von AAA ausgehen

Viele Unternehmen orientieren sich zunächst an der höchsten Konformitätsstufe, weil „AAA“ nach maximaler Sicherheit und vollständiger Barrierefreiheit klingt. Der Anspruch, möglichst umfassend barrierefrei zu sein, ist grundsätzlich positiv. 

Zudem wird der Begriff „vollständig barrierefrei“ häufig mit der Erfüllung aller A-, AA- und AAA-Kriterien gleichgesetzt. Mit diesem überhöhten Anspruch laufen Arbeitsgruppen, die das Thema Digitale Barrierefreiheit angehen wollen, oder externe Dienstleister Gefahr, die höchste Stufe als Ziel zu definieren. 

Dabei wird jedoch oft übersehen, dass die WCAG bewusst abgestufte Qualitätsniveaus vorsehen – und dass rechtlich nicht die höchste Stufe maßgeblich ist. AAA kann in bestimmten Kontexten sinnvoll sein, ist jedoch kein allgemeiner Mindeststandard. 

Was die WCAG-Konformitätsstufen wirklich bedeuten 

Die drei Stufen verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen: 

Level A: grundlegende Zugänglichkeit 

Ohne die Anforderungen der Stufe A sind zentrale Funktionen einer Website für viele Menschen nicht nutzbar. Dazu gehören beispielsweise: 

  • Alternativtexte für Bilder 

  • klar beschriftete Formularfelder 

  • vollständige Tastaturbedienbarkeit interaktiver Elemente 

  • eine strukturierte Überschriftenhierarchie 

Fehlen diese Grundlagen, können Inhalte von Screenreadern nicht korrekt erfasst oder Formulare nicht ausgefüllt werden. 

Level AA: erweiterte Nutzbarkeit 

Level AA baut auf diesen Grundlagen auf und stellt sicher, dass digitale Angebote für eine breite Zielgruppe praktikabel nutzbar sind. Typische Anforderungen sind: 

  • ausreichende Farbkontraste 

  • sichtbare Fokuszustände bei Tastaturbedienung 

  • skalierbare Schrift ohne Funktionsverlust 

  • verständliche Fehlermeldungen in Formularen 

Diese Kriterien erhöhen nicht nur die Zugänglichkeit, sondern verbessern auch die allgemeine Nutzererfahrung. 

Level AAA: zusätzliche Optimierung 

Level AAA geht darüber hinaus und definiert weiterführende Qualitätskriterien. Beispiele sind: 

  • besonders hohe Kontrastanforderungen 

  • erweiterte Anforderungen an leicht verständliche Sprache 

  • strengere Vorgaben bei Zeitbegrenzungen oder alternativen Darstellungsformen 

Diese Maßnahmen können die Nutzung weiter verbessern, sind jedoch nicht in jedem Kontext vollständig realisierbar – etwa bei komplexen Anwendungen oder spezialisierten Fachinhalten. 

Wichtig: Die Stufen sind nicht als Alles-oder-nichts-System gedacht, sondern als abgestufte Qualitätsniveaus. 

Welche WCAG-Stufe ist rechtlich ausreichend? 

Für Unternehmen ist nicht entscheidend, welche Konformitätsstufe theoretisch die höchste Qualität beschreibt, sondern welche Anforderungen rechtlich maßgeblich sind. 

Die gesetzlichen Vorgaben zur digitalen Barrierefreiheit orientieren sich in der Praxis an den Anforderungen der WCAG auf Konformitätsstufe AA. 

Das bedeutet: 

  • Maßgeblich sind die Kriterien aus Level A und Level AA. 

  • Level AAA ist nicht verpflichtend, sondern eine zusätzliche Optimierungsstufe. 

Banner, das nur kostenlosen Demo-Vorführung führtWarum Level AA der Referenzrahmen ist 

Level AA stellt sicher, dass digitale Angebote für eine breite Zielgruppe zugänglich und praktikabel nutzbar sind. Es geht dabei nicht um maximale Optimierung, sondern um verlässliche Nutzbarkeit.

Die Anforderungen dieser Stufe decken zentrale Aspekte ab: 

  • visuelle Wahrnehmbarkeit durch ausreichende Kontraste 

  • Bedienbarkeit per Tastatur 

  • klare Strukturierung von Inhalten 

  • verständliche Interaktions- und Fehlermeldungen

Damit bildet Level AA einen ausgewogenen Standard zwischen technischer Machbarkeit und tatsächlicher Zugänglichkeit. 

Warum AAA nicht verpflichtend ist 

Level AAA definiert zusätzliche Qualitätskriterien, die über die grundlegende und erweiterte Nutzbarkeit hinausgehen. Viele dieser Anforderungen sind kontextabhängig und lassen sich nicht in allen digitalen Angeboten vollständig umsetzen. 

Beispielsweise können sehr hohe Kontrastanforderungen gestalterische Spielräume stark einschränken. Erweiterte Anforderungen an besonders einfache Sprache sind bei spezialisierten Fachinhalten nicht immer realistisch. Auch bestimmte zeitliche Vorgaben sind bei interaktiven Anwendungen technisch nicht überall praktikabel. 

Aus diesem Grund ist AAA nicht als verbindlicher Mindeststandard vorgesehen. 

Gilt das auch für öffentliche Stellen? 

Für Unternehmen im Anwendungsbereich des Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt als technischer Maßstab WCAG Level AA (A + AA). 

Öffentliche Stellen nach der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung müssen zusätzlich zur technischen Barrierefreiheit weitere Informationspflichten erfüllen. Dazu gehören unter anderem: 

  • eine Barrierefreiheitserklärung, 

  • bestimmte Basisinformationen in Leichter Sprache, 

  • sowie zentrale Inhalte in Deutscher Gebärdensprache. 

Wichtig: Diese Zusatzpflichten sind keine „AAA-Konformität“, sondern eigenständige gesetzliche Anforderungen für öffentliche Stellen. 

Rechtskonformität bedeutet nicht Perfektion 

Rechtskonformität bedeutet nicht, jede denkbare Optimierung umzusetzen. Maßgeblich ist die systematische Erfüllung der Anforderungen aus Level A und AA. 

Entscheidend ist vielmehr: 

  • dass die maßgeblichen Kriterien erfüllt werden, 

  • dass Barrieren strukturiert identifiziert und priorisiert werden, 

  • und dass die Umsetzung dokumentiert und kontinuierlich überprüft wird. 

Wo sollte ich konkret anfangen?

Bevor du Maßnahmen planst, solltest du wissen, wo du stehst. 

Viele Unternehmen beginnen direkt mit einzelnen Korrekturen – ohne zu wissen, wie groß der tatsächliche Handlungsbedarf ist und welchen Einfluss diese Maßnahmen auf die Barrierefreiheit ihrer Website haben. 

Der erste Schritt ist deshalb immer eine Prüfung. 

Schritt 1 – Status quo analysieren (A+AA) 

Starte mit einer Analyse deiner Website oder Anwendung. Diese kann automatisiert, manuell oder kombiniert erfolgen. 

Automatisierte Prüfungen helfen dabei, technische Auffälligkeiten schnell sichtbar zu machen – zum Beispiel: 

  • fehlende Alternativtexte 

  • Kontrastprobleme 

  • fehlende Formularbeschriftungen 

  • strukturelle Fehler im Code 

Sie liefern einen schnellen Überblick und zeigen, wo grundlegende Level-A-Probleme bestehen. 

Manuelle Prüfungen gehen darüber hinaus. Sie bewerten zum Beispiel: 

  • ob Inhalte verständlich strukturiert sind 

  • ob die Navigation logisch aufgebaut ist 

  • ob die Fokusführung nachvollziehbar funktioniert 

  • wie sich Formulare tatsächlich bedienen lassen 

Erst die Kombination aus automatisierter Analyse und manueller Bewertung ergibt ein realistisches Bild des Status quo. 

Das Eye-Able Dashboard, das Ergebnisse bündelt und priorisiert darstellt, kann hier helfen, den Überblick zu behalten. Entscheidend ist: Du brauchst eine klare Grundlage, bevor du optimierst.

Accessibility-Dashboard mit WCAG-TestergebnissenSchritt 2 – Maßnahmen priorisieren und strukturiert umsetzen 

Nach der Analyse geht es nicht darum, „erst A, dann AA“ isoliert abzuarbeiten. Entscheidend ist die Priorisierung nach Wirkung. 

Beginne mit Barrieren, die Nutzung unmittelbar verhindern: 

  • keine Tastaturbedienung 

  • nicht nutzbare Formulare 

  • fehlende Alternativtexte bei relevanten Inhalten 

Sind diese Hürden beseitigt, folgt die systematische Erweiterung auf die Anforderungen aus Level AA – etwa: 

  • Kontrastanpassungen im Designsystem 

  • klare Fokusführung 

  • verständliche Fehlermeldungen 

  • konsistente Navigationsmuster 

Statt jede einzelne Seite separat zu korrigieren, ist es effizienter, solche Muster zu identifizieren und strukturell zu beheben. Wird beispielsweise das Designsystem angepasst oder eine zentrale Formular-Komponente überarbeitet, verbessert sich die Barrierefreiheit automatisch an vielen Stellen gleichzeitig. 

So entsteht Schritt für Schritt ein stabiler Standard – ohne das Team zu überfordern. 

Schritt 3 – Dokumentation und Priorisierung etablieren 

Barrierefreiheit wird erst nachhaltig, wenn sie dokumentiert und regelmäßig überprüft wird. 

Eine einfache interne Checkliste kann hier helfen: 

  • Wurden alle relevanten A- und AA-Kriterien geprüft? 

  • Sind identifizierte Barrieren priorisiert? 

  • Sind Zuständigkeiten klar definiert? 

  • Wurden Maßnahmen dokumentiert? 

  • Wird die Barrierefreiheitserklärung regelmäßig geprüft und bei Änderungen angepasst? 

  • Gibt es eine regelmäßige Nachprüfung bei Updates oder neuen Inhalten? 

Ist Barrierefreiheit ein erreichbarer Zustand – oder ein kontinuierlicher Prozess?

Die Vorstellung, eine Website einmal vollständig barrierefrei umzusetzen und anschließend „fertig“ zu sein, klingt verlockend. In der Praxis ist sie jedoch kaum realistisch. 

Nachfolgend erklären wir dir warum. 

Warum 100 Prozent selten dauerhaft realistisch sind 

Digitale Angebote verändern sich ständig. Neue Inhalte werden veröffentlicht, Funktionen erweitert, Designanpassungen umgesetzt oder Systeme aktualisiert. Typische Veränderungen sind: 

  • neue Unterseiten oder Landingpages 

  • zusätzliche Funktionen oder Interaktionen 

  • CMS-Updates 

  • neu hochgeladene PDF-Dokumente 

  • eingebundene Drittanbieter-Tools 

Jede dieser Änderungen kann unbeabsichtigt neue Barrieren erzeugen – selbst wenn zuvor alle relevanten Kriterien erfüllt waren. 

Eine Website kann also zu einem bestimmten Zeitpunkt den Anforderungen von Level A und AA entsprechen. Ob sie diesen Stand hält, hängt davon ab, wie Veränderungen begleitet werden. 

Wie bleibt meine Website dauerhaft barrierefrei? 

Damit deine Website dauerhaft barrierefrei bleibt, brauchst du vor allem eines: Regelmäßigkeit. 

Neue Inhalte, kleine Designanpassungen oder ein Plugin-Update – oft sind es genau diese alltäglichen Änderungen, die unbemerkt neue Barrieren entstehen lassen. Deshalb ist es sinnvoll, Barrierefreiheit nicht nebenbei laufen zu lassen, sondern bewusst mitzudenken. 

Hilfreich sind: 

  • wiederkehrende automatisierte Prüfungen 

  • ergänzende manuelle Checks bei größeren Änderungen 

  • eine klare Dokumentation, damit Fortschritte und offene Punkte sichtbar bleiben 

  • eine Barrierefreiheitserklärung, die nicht veraltet, sobald sich etwas ändert 

Wenn du unsicher bist, wo du starten sollst oder wie du Prioritäten setzt, kann es sinnvoll sein, dir Unterstützung zu holen und gemeinsam eine Struktur aufzubauen, die zu deinen internen Abläufen passt. 

Mit der Plattform von Eye-Able kannst du deine Prüfungen zentral bündeln und Entwicklungen transparent nachvollziehen. 

Das zentrale Dashboard hilft dir dabei: 

  • automatisierte Prüfungen gebündelt auszuwerten 

  • Auffälligkeiten schnell sichtbar zu machen 

  • Barrieren nach ihrer Auswirkung zu priorisieren 

  • Veränderungen an deiner Website nachvollziehbar zu dokumentieren 

So erkennst du schneller, wenn sich durch Updates oder neue Inhalte etwas verändert – und kannst direkt reagieren. 

Am Ende geht es nicht darum, einmal alles perfekt zu machen. Sondern darum, den Überblick zu behalten und kontinuierlich nachzusteuern. 

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Prüfe jetzt die Barrierefreiheit deiner Website und reduziere rechtliche Risiken, bevor sie entstehen.

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